Karl Rahner hat die katholische Theologie grundlegend neu durchdacht und viele zentrale Fragen behandelt. Er gehört durch seine wissenschaftliche Arbeit und sein Engagement bei wichtigen kirchlichen Ereignissen zu den bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts.
Über sich selbst hat der am 05. März 1904 in Freiburg Geborene einmal gesagt, dass er "die übliche Schulbildung mit normalem Erfolg" erhalten habe. Von der Jugendbewegung Quickborn geprägt, tritt Rahner am 20. April 1922 im vorarlbergischen Tisis bei Feldkirch in den
Jesuitenorden ein, dem sich sein Bruder Hugo schon einige Jahre früher angeschlossen hat. Nach zehn Jahren Studium und Ausbildung im Orden erhält Karl Rahner die Priesterweihe durch den Münchner Kardinal Michael Faulhaber. Anschließend studiert er in seiner Heimatstadt Philosophie, unter anderem bei Martin Heidegger. Als seine Doktorarbeit nicht angenommen wird, wechselt er nach Innsbruck und kann dort kurz vor Weihnachten 1936 promovieren. Sechs Monate später erfolgt die Habilitation.
Als Nationalsozialisten die Theologische Fakultät in Innsbruck 1938 aufheben und im Folgejahr das Jesuitenkolleg besetzen, geht Rahner nach Wien, um im Geheimen junge Ordensbrüder auszubilden und im Seelsorge-Institut zu arbeiten.
1944 kehrt er von einer Sommeraushilfe wegen der heranrückenden Front nicht mehr zurück, sondern wirkt als Seelsorger in Niederbayern. 1
1949 übernimmt er in Innsbruck eine ordentliche Professur. In seiner 'theologischen Werkstatt' hält er Vorlesungen und Seminare, predigt oder hält Exerzitien und veröffentlicht zahlreiche Beiträge. In dieser Schaffensperiode erwirbt sich der als fortschrittlich eingestufte Theologe einen internationalen Ruf und begleitet Franz Kardinal König als Berater zum
Zweiten Vatikanischen Konzil. Karl Rahner hat dabei als Mittelsmann im Hintergrund neue Ideen und Gedanken entschieden voran getrieben.
Seine Einflüsse sind bis auf den heutigen Tag spürbar.
1964 geht Rahner als Nachfolger von Romano Guardini an die Universität München, übernimmt den Lehrstuhl für Religionsphilosophie und Weltanschauung und gründet dafür ein neues Institut. Drei Jahre später erfolgt sein Ruf nach Münster, wo er bis zu seiner Emeritierung 1971 bleibt.
Auch im Ruhestand in München, später in Innsbruck bleibt Karl Rahner ein engagierter Theologe.
Bis zu seinem Tod am 30. März 1984 hat er mehr als 4000 Publikationen veröffentlicht.
Sein Lebenswerk ist auch für künftige Theologen wegweisend.
Die Dynamik, ja Dramatik seines Lebens resultiert aus den gesellschaftlichen und kirchlichen Umbrüchen seiner Lebenszeit, denen er sich vor allem als Dogmatikprofessor in Innsbruck mutig stellt und bis zu seinem Tod nie entzieht: die Glaubensnot der Christen, die Herausforderungen in Technik, Naturwissenschaft und Pluralismus. Vor allem aber hat er gefragt: Wie kann die Kirche überzeugend in einer säkular gewordenen Welt den Menschen Heil zusagen. Anstrengungen bis hinein in einen Strukturwandel der Kirche sind seiner Ansicht nach hierfür erforderlich. Er hat eine Wende in der katholischen Theologie bewirkt, dem christlichen Glauben und der Weltkirche Türen ins dritte Jahrtausend geöffnet.